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Neuerungen in der Gesundheitsförderung und Prävention, die in der lokalen Landschaft kontextualisiert sind

Mayssam Nehme, Hélène Baysson, Aminata Bouhet, Anshu Uppal, Shannon Mechoullam, Julien Lamour, Marie Léocadie, Clotilde Rambaud-Althaus, Stephanie Schrempft, Silvia Stringhini, Alessandro Cassini, Idris Guessous, für die Specchio-Studie.
Neues in der lokalen landschaftskontextualisierten Gesundheitsförderung und Prävention.Schweizerisches Ärzteblatt, 21: 167-71, 29. Januar 2025, doi: 10.53738/REVMED.2025.21.903.167

Zusammenfassung

In diesem Artikel werden die neuesten Empfehlungen zur Gesundheitsförderung und Prävention vorgestellt, die sich vor allem an Gesundheitsfachkräfte und Akteure des öffentlichen Gesundheitswesens richten. Sie werden mit den Genfer Daten der Specchio-Längsschnittstudie in Beziehung gesetzt, die vom Office Cantonal de la Santé in Genf in Auftrag gegeben wurde und den Gesundheitszustand der Genfer Bevölkerung und seine Determinanten analysiert. In diesem Artikel werden die Genfer Prävalenzen für körperliche Aktivität, Bewegungsmangel, Ernährung, Fettleibigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum sowie die diesbezüglichen Empfehlungen erwähnt. Die Einblicke in die Specchio-Daten ermöglichen es, Interventionen im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention zu steuern und die Empfehlungen auszuwählen, die für den lokalen Kontext am besten geeignet sind.

Methoden: Die Specchio-Studie, die 2022 im Anschluss an die Specchio-Covid-Studie19 gestartet wird, erhebt Daten u. a. zu allgemeiner Gesundheit, psychischer Gesundheit, sozialen Determinanten, Gesundheitsverhalten, Umweltbelastungen, Zugang zur Gesundheitsversorgung und Alterung. Die Fragebögen werden über eine spezielle digitale Plattform (specchio-hub.ch), die die Teilnahme der Personen und ihre Loyalität im Laufe der Zeit fördert. Die Rekrutierung (die offen bleibt) richtet sich an alle erwachsenen Personen, die im Kanton Genf wohnen oder arbeiten. Es wird ein Längsschnittmonitoring mittels Fragebögen (online oder in Papierform) angeboten.

Ergebnisse: Im Jahr 2024 gehören 7.582 Personen mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren zu Specchio, 57 % sind Frauen. Insgesamt haben 63% der Personen einen tertiären Bildungsabschluss und 77% sind Schweizer Staatsbürger. Die Ergebnisse zeigen, dass 80 % der Genferinnen und Genfer ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut bezeichnen, dass es jedoch weiterhin soziale und geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

Gemäß den Specchio-Daten von 2024:

  • In Bezug auf körperliche Bewegung sind 59 % der Personen ausreichend aktiv. Männer sind häufiger ausreichend aktiv als Frauen (65 % vs. 54 %). Der Anteil der Personen, die sich in ihrer Freizeit ausreichend bewegen, steigt mit dem Bildungsniveau.
  • Die Genferinnen und Genfer verbringen durchschnittlich 6 Stunden pro Tag in sitzender Position. Diese Dauer erreicht bei 24 % der Bevölkerung 8 Stunden und mehr pro Tag. Besonders besorgniserregend ist der sitzende Lebensstil bei jungen Menschen. Bei 40 % der 18- bis 24-Jährigen beträgt die Dauer des Sitzens 8 Stunden und mehr pro Tag.
  • Nur 20 % der Genferinnen und Genfer verzehren 5 Portionen Obst oder Gemüse pro Tag. 22 % verzehren weniger als eine Portion Obst pro Tag, 10 % weniger als eine Portion Gemüse pro Tag. Frauen halten sich häufiger an die Ernährungsempfehlungen als Männer (23 vs. 15 %), ebenso wie ältere Menschen und Personen mit höherem Bildungsniveau.
  • In Bezug auf den Alkoholkonsum sind Männer seltener abstinent als Frauen. Männer sind häufiger als Frauen davon betroffen, mindestens ein Rauschtrinken pro Monat zu haben (24 vs. 11 %). Beim Alkoholkonsum ist ein umgekehrter sozialer Gradient zu beobachten. : Personen mit einem hohen Bildungsniveau konsumieren häufiger Alkohol als Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau.
  • 30 % der Genferinnen und Genfer sind übergewichtig und 12 % fettleibig. Von Übergewicht und Adipositas betroffen sind 51 % der Personen mit primärer Bildung, 43 % mit sekundärer und 36 % mit tertiärer Bildung. Männer sind deutlich häufiger übergewichtig (37 vs. 23 %) als Frauen.
  • 13 % der Genferinnen und Genfer weisen eine wahrscheinliche depressive Störung auf. Bei den 25- bis 44-Jährigen liegt dieser Anteil bei 19 %, d. h. fast jede fünfte Person in dieser Altersgruppe.
  • 31% der Personen mit Grundschulbildung berichteten über geringe soziale Unterstützung, verglichen mit 13% der Personen mit tertiärer Bildung, und 24% der Personen mit Grundschulbildung berichteten über ein hohes Gefühl der Einsamkeit oder Isolation, verglichen mit 10% der Personen mit tertiärer Bildung.

Schlussfolgerung: Die Specchio-Studie, aus der die hier vorgestellten Daten stammen, wird es ermöglichen, die Gesundheit der Genferinnen und Genfer über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Diese lokalen epidemiologischen Daten in Verbindung mit wissenschaftlichen Empfehlungen liefern wichtige Erkenntnisse, um die Relevanz und Wirkung von Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen in Genf zu verbessern. Die Vergrößerung der Stichprobengröße der Specchio-Studie, die Einbeziehung unterschiedlicher Profile und die Bindung der Teilnehmer/innen an die Studie in den kommenden Jahren gehören zu den Perspektiven und Herausforderungen der Zukunft.

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